Maßordnung im Hochbau

DIN 4172 - Maßordnung im Hochbau

Natürliches Gestein ist unregelmäßig und die Be- und Verarbeitung entsprechend zeitintensiv. Auch der Zuschnitt von gewälztem Tonteig war früher ungenau. Die professionelle Herstellung von Steinen aus Ton in Holzrahmen bedeutete eine enorme Rationalisierung im Baubereich. Fast zwangsläufig folgte aus der Verwendung von maßhaltigen Steinen eine Maßordnung zur Abmessung von Bauteilen.

Als eine der frühesten Normen im Hochbau gilt die DIN 4127 als Grundlage zur Abmessung einzelner Bauteile, Bauelemente und Gebäude. Ziel der DIN ist es, die Maße auf dem Bau zu vereinheitlichen und die Bauausführung zu rationalisieren. Das System beruht auf dem Grundmodul des Achtel- oder Oktameters: 12,5 cm. Alle Maße bauen auf diesem Grundmodul auf. Durch den kleinen Maßsprung sind sehr individuelle Bauwerksgestaltungen möglich. Die Steinformate im Mauerwerksbau sind auf das Achtelmetermaß (Achtelmeter = am) abgestimmt. Die DIN unterscheidet verschiedene Maße:


Baurichtmaß oder Rohbau-Richtmaß (RR)

Das sogenannte Baurichtmaß ist immer das Vielfache von 12,5 cm. Dies gilt in der Länge und Stärke eines Bauteils ebenso wie in der Höhe. Sozusagen werden alle Bauteile im Hochbau durch dieses Maß `gerastert`. Deshalb spricht man auch vom Rastermaß. Das Baurichtmaß ist die theoretische Planungsgrundlage für die Baumaße aus der Praxis. Es sind Maße, die die Fugendicke einschließen.

  • Auf der Baustelle spricht man bei dem Achtelmeter (Stein (11,5 cm) plus Fuge (1 cm) = 12,5 cm) auch von einem `Kopf`.
  • 1,0 Meter sind also 8 am: 12,5 x 8 am = 1,00 m.


Baunennmaß oder Rohbau-Nennmaß

Je nach Bauteil ergeben sich nach Abzug oder Zugabe eines Fugenmaßes oder aber auch unmittelbar das Baunennmaß. Dies ist das tatsächliche Maß und wird in die Bauzeichnung eingetragen. Bei fugenlosen Bauteilen, zum Beispiel im Betonbau, sind die Baurichtmaße gleich dem Baunennmaß.

Die Stoßfuge im Mauerwerksbau hat eine Stärke von 1 cm.

Man unterscheide nach Abzug oder Abzug der Fugen folgende Maße:

  • Vorsprungsmaß (Auch: Anbaumaß oder Vorlagemaß)

Als Längen-, Breiten-, oder Dickenmaß: Länge einer Anmauerung oder die Tiefe einer Vorlage. Baurichtmaß = Baunennmaß. Als Höhenmaß: Hier heißt das Maß Aufbaumaß, bspw. bei der Höhe einer Aufmauerung. Als Achsmaß: Von Achse zu Achse zweier Öffnungen.

  • Außenmaß (Auch: Pfeilermaß)

Als Längen-, Breiten-, oder Dickenmaß: Pfeilerbreite oder Wanddicke. Hier gilt: Baurichtmaß abzüglich 1 cm Fuge Als Höhenmaß: Höhe zwischen Öffnungen; Sturzhöhe. Als Achsmaß: Von Achse zur Außenecke.

  • Öffnungsmaß (Auch: Innenmaß)

Als Längen-, Breiten-, oder Dickenmaß: Öffnungsbreite oder Nischenbreite. Hier gilt: Baurichtmaß zuzüglich 1 cm Fuge Als Höhenmaß: Öffnungs- oder Nischenhöhe. Als Achsmaß: Von Achse bis Innenflucht.


Schichtmaße

Die Höhe einer Mauerschicht ergibt sich aus der Steinhöhe und der Lagerfuge. Zusammen müssen sie das Baurichtmaß ergeben. 1 DF Steine haben eine Höhe von 5,2 cm. Um ein Maß zu erreichen, welches in das Raster 12,5 passt, wird eine Lagerfugendicke von 1,05 cm angenommen. Daraus ergeben sich bei einer Mauerhöhe von 1,00 m:

  • 1 DF Steine: 16 Schichten á 6,25 cm (5,2 cm Stein + 1,05 cm Fuge).
  • NF Steine : 12 Schichten á 8,33 cm (7,1 cm Stein + 1,23 cm Fuge).
  • 2DF und 3 DF Steine: 8 Schichten á 12,5 cm (11,3 cm Stein + 1,2 cm Fuge).
  • Großformatige Steine: 4 Schichten á 25 cm (23,8 cm Stein + 1,2 cm Fuge).

Bei mörtellosen Nut-Feder-Stoßfugen und annähernd auch bei Dünnbett-Stoßfugen entsprechen die Nennmaße den Richtmaßen. Geringste Abweichungen von 1 - 3 mm werden nicht berücksichtigt.



(c) by Päffgen GmbH bzw. deren Autoren 2009, www.massivbau.de

Gewerbliche und private Verwendung dieses Artikels ist ausdrücklich, aber nur dann gestattet, wenn dem Artikel gut sichtbar der vorstehende Copyright-Hinweis mit verfolgbarem Link hinzugefügt wird und wir per Mail an copy@fachportale.de über die Verwendung informiert werden!